5 Minuten - Heilmittel gegen Prokrastination

5 Minuten – Heilmittel gegen Prokrastination

Es ist ja nicht so, dass Prokrastination, also die Aufschieberitis, eine Frage der Faulheit ist.

Jessica Hirsche, eine amerikanische Schriftstellerin, sagt sogar: “ Die Arbeit, die Du machst, während Du prokrastinierst, ist wahrscheinlich die Arbeit, die Du den Rest Deines Lebens tun solltest!“

Hey, das hört sich doch interessant an.

Wenn wir etwas vor uns herschieben, sind wir ja oft nur eingeschüchtert oder überfordert vor einem großen oder neuen Projekt. (Als Projekt bezeichne ich hierbei alle großen und kleinen Vorhaben oder Aufgaben, die im (Berufs-) Alltag anfallen.) Wir wissen einfach noch nicht genau, wie wir das Projekt angehen sollen oder was wir da genau tun sollen.

Oder wir wollen dieses Projekt eigentlich gar nicht tun? Dann ist es sehr wichtig, sich folgende Fragen zu stellen

  • Was ist mir jetzt wirklich wichtig?/ Was ist für mein Unternehmen jetzt wirklich wichtig?
  • Was ist für mich langfristig am besten?/ Was ist für mein Unternehmen langfristig am besten tun?
  • Welche Gefühle kommen bei der Entscheidung A hoch und welche bei der Entscheidung B? (Zum Beispiel, wenn A „Blog schreiben“ heißt und B „mit dem Hund spielen“)
  • Was würde mein Super-Ich in dieser Situation tun – der beste Teil von mir?
  • Was würde mir mein bester Freund/meine beste Freundin raten?
  • Was will ich später im Alter oder im nächsten Leben tun? (Hier bekommen wir einen  Hinweis auf das, was wir uns aus Vernunft oder Schüchternheit nicht erlauben.)
  • Was kann ich heute dafür tun? Welchen klitzekleinen Schritt, eben diese 5 Minuten kann ich heute schon in diese Richtung gehen?

Je öfter wir das tun, desto besser wird unser Gefühl für die Dinge, die wir wirklich tun sollten.

Falsche Projekte führen zur Prokrastination

Natürlich gehen wir das Projekt, das bei dieser Befragung zum Beispiel keinen langfristigen Sinn macht, erst gar nicht an und streichen es sofort von unserer To-Do-Liste. Das gehört sofort und ohne Zögern auf unsere Not-To-Do-Liste!

Alle anderen offenen Projekte gehen wir nun an. Schrittweise. Mit kleinen Schritten.

Angst vor dem Versagen

Egal, ob es ein sehr großes Projekt ist und/oder ein (lebens-) wichtiges, wir müssen immer erst eine Angst überwinden. Die Angst vor dem Versagen. Das ist der Grund für Prokrastination oder Aufschieberitis.

Dieses Versagen können wir überwinden, indem wir mit uns das Commitment eingehen, nur exakt 5 (winzige) Minuten an diesem Projekt zu arbeiten oder wenigstens dabei zu bleiben. Zum Beispiel in die voll gestopfen Keller zu gehen.

Unser Unterbewusstsein sagt sich dann: „Was kann denn schon in 5 Minuten passieren.“, und lässt sich voll und ganz drauf ein.

5 Minuten, mehr nicht!

Diese Idee scheint komisch zu klingen, aber das Problem in unserem Kopf ist, dass wir nicht wissen, wie der erste Schritt geht. Wenn wir nur 5 Minuten an einer Sache arbeiten, startet unsere Motivation völlig automatisch. Selbst wenn wir stocken, wissen wir nach 5 Minuten schon, wo wir stehen, was wir noch brauchen und wie wir weitermachen können.

5 Minuten in der voll gemöhlten Garage (ich habe keine Garage, aber dafür Kelleräume!) zeigen uns, ob wir es mit Abfalltüten schaffen oder einen Container holen müssen.

Das größte Problem bei größeren Projekten ist der Berg, der vor uns liegt. Wir haben noch keine Übersicht und können ihn nicht überblicken. Das führt zur Prokrastination. Herzensprojekte gehen wir sehr gerne und leicht an.

Zum Beispiel ein Buch-Projekt

Nehmen wir einmal an, Sie wollen schon lange ein Buch schreiben. Aber Sie finden keinen Zugang, keinen Anfang.

Sie habe schon eine Menge Inhalt zusammen gesammelt, aber zum Buch mit einem roten Faden reicht es noch nicht.

Früher beim Aufsatzschreiben in der Schule nannten wir das Stoffsammlung. Daraus wurde dann die Gliederung. Dann die Inhaltsangabe. Und dann schreiben wir in diesen 4 Stunden, was das Zeug hielt. Wir kamen nach einem vielleicht anfänglichem Stocken bei jedem noch so schwierigem Thema in den Flow.

Und warum machen sie das denn heute nicht auch so?

Hier sind wieder kleine Schritte gefragt. Was wäre der erste Schritt?

Bei Ihrem Buchprojekt: Aus der Stoffsammlung eine vorläufige Gliederung zu machen. Also die Reihenfolge der Kapitel vorzugeben. Natürlich kann diese sich später noch bei der Bearbeitung ändern, aber das spielt in diesem Schritt überhaupt keine Rolle.

Ein offenes Projekt wählen

Also, wir wählen ein offenes Projekt und entscheiden, es genau für 5 Minuten zu bearbeiten. Genau 5 Minuten.

Ja, nach 5 Minuten ist Schluss.

Sogar wenn wir nur 5 Minuten dasitzen, gar nichts tun und nur in die Luft kucken, macht unser Unterbewusstsein eine Strategie, wie es weitergehen kann.

“Was kann ich denn schon in 5 Minuten schaffen?“

Jetzt kommt der häufigste Einwand (von unserem inneren Schweinehund) “Was kann ich denn schon in 5 Minuten schaffen?“ Aber das ist das Reden der Prokrastination. Unserer innere Schweinehund versucht nur die Seite in uns zu verteidigen, die in diesem Moment lieber gar nichts machen möchte.

Gar nichts. Um nicht zu versagen!

Nur wer nichts macht, macht nichts falsch.

Michael Frese (Wirtschaftspsychologe)

Darauf sollten wir  diesmal aber nicht hören. Wir wissen ja, wohin sie uns bringt. denn „Auch wer nichts tut, kann etwas falsch machen.“
Juristen nennen das „Begehen durch Unterlassen“. (Achim Reichert, Physiker, ehem. Hamburger Politiker)

Tatsächlich haben diese 5 Minuten, die wir jetzt an unserem Projekt arbeiten und die wir sonst nicht daran gearbeitet hätten, den ausschlaggebenden Effekt und bringen uns wirklich weiter.

Klarheit entsteht, wenn Du beginnst zu handeln.

Kiwi Pfingsten

Das war der härteste Teil! Denn jetzt beenden wir das Herumgehopse von einem Projekt – oder einer Ablenkung – zum anderen und arbeiten an dem Projekt, an der wir wirklich arbeiten sollten.

Mit diesem Trick helfen wir unserem Gehirn, Gewohnheiten zu verändern. Aufschieberitis, die Prokrastination ist nämlich eher eine psychologische als eine reale Barriere.

Fazit

Tatsächlich können wir unser Arbeitsverhalten, besonders die Prokrastination mit sehr kleinen Schritten in nur 5 Minuten verändern. Wenn wir nur 5 Minuten an einem Projekt arbeiten, wissen wir, wo wir stehen und wie wir weitermachen können.

Dazu müssen wir natürlich erst herausfinden, ob es ein wichtiges Projekt ist. Andere Projekte sollten sofort auf unsere Not-To-Do-Liste.

Aber wir müssen bei vielen Aufgaben oder Projekten immer erst eine Angst überwinden. Die Angst vor dem Versagen.

Erst wenn wir diese Angst überwinden, kommen wir in den Flow und können konstruktiv an unserem Projekt arbeiten.

Welche offenen Projekte stehen auf Ihrer Liste, die unbedingt bearbeitet werden sollten und Sie nicht rangehen?

 

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