Spiegel-Spiegel-Selbstbildnis-Fremdbildnis

Spiegel, Spiegel … – Selbstbildnis- Fremdbildnis

Spiegel, Spiegel … – Selbstbildnis- Fremdbildnis

Wenn wir in den Spiegel sehen, glauben wir uns genau zu sehen. Aber wir sehen nur das. was wir sehen wollen. Der Rest ist der sogenannte „Blinde Fleck“. Oder wir können nicht über unseren Tellerrand hinausschauen.

Ich kenne das gut.

Im Märchen Schneewittchen und die 7 Zwerge sitzt die böse Königin vor ihrem Spiegel und fragt „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Aber der Spiegel erwidert: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist noch tausendmal schöner als Ihr.“

Das wollte sie nicht hören und trachtet Schneewittchen nach dem Leben.

Selbst wenn der Spiegel das wiederspiegelt, was da ist, nämlich eine von Hass erfüllte Frau, will und kann sie es nicht sehen. Und wenn der Spiegel die Wahrheit sagt, dann glaubt sie diese nicht oder möchte diese nicht wahr haben und zerstören.

Selbstbildnis- Fremdbildnis

In meinem Online-Kurs mache ich anfangs einen Skillcheck, um den Teilnehmern eine klare Wahrnehmung Ihrer momentanen Situation zu geben.

Es ist überhaupt nicht dazu gedacht, jemanden zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Sondern es ist eine einfache Aufnahme des Ist-Zustands.

Wie sehe ich mich? – Wie siehst Du mich?

Der Trick dabei ist, dass sich jeder erst einmal mittels einer Eigenschaften-Liste selbst befragt und seine Kreuzchen macht und dann im Anschluss jemanden bittet, ihn ebenfalls einzuschätzen.

Die Ergebnisse sind immer aufschlussreich. Der Blinde Fleck oder der Tellerrand wird so gut sichtbar. Aber auch Fehlannahmen über sich selbst können so ausgeräumt werden.

Gute Freunde und Freundinnen

Es gibt viele dieser Tests, aber genauso aufschlussreich oder vielleicht noch aufschlussreicher sind gute Freunde und Freundinnen.

Sie kennen das sicher. Sie sitzen in einer netten Runde mit Freunden am Samstagabend und diskutieren über ein Thema. Plötzlich äußert sich Ihr Partner oder Ihre Partnerin und Sie sind höchst verblüfft über seine/ihre Aussage. Sie wussten noch gar nicht, dass er/sie so über das Thema denkt.

Vielleicht diskutieren oder streiten auch noch, nachdem Sie nach Hause gegangen sind.

Wenn der Spiegel vorgehalten wird

Ich hatte am Freitag einen solchen Vorfall.

Eine gute Freundin Milla macht eine Mediationsausbildung hier in Bochum und übernachtet während der Schulungstage bei mir.

Es sind immer intensive Abende und am nächsten Morgen kommt sie auch immer schlecht weg, weil wir uns so viel zu erzählen haben.

Wir waren als zuerst bei unserem wundervollen Japaner Takeshi essen und saßen dann beim Glas Wein und diskutierten das Erlebte der letzten 4 Wochen.

Sie läuft seit einiger Zeit Marathon und erzählte vom letzten Lauf. Natürlich auch vom Job, aber dann immer wieder von Ihrer Weiterbildung als Mediatorin.

Ich erzähle natürlich auch von meinem Alltag an der Hochschule, meinen Aktivitäten in der KISP. Auch von kleinen und großen Erfolgen oder Misserfolgen.

Die innere Landkarte

Ich finde Millas Aktivitäten toll, dränge sie aber immer mal wieder, ihre Fähigkeiten auch mal in eigenen Kursen umzusetzen. Und damit nicht mehr ewig zu warten.

Aus Erfahrung weiß ich, dass die Dinge weit mehr Zeit beanspruchen, bis sie sinnvoll umgesetzt sind, als ich anfangs dachte.

Trotzdem lasse ich mich immer wieder auf dieses Abenteuer ein und arbeite mich durch. So ja auch bei der Entwicklung des Online-Kurses.

Diese Summe der Erfahrungen bildet dann meine „Innere Landkarte“. Auf ihr steht, was ICH für richtig und wichtig halte.

ICH!

Blinder Fleck & Co.

Und das ist der Punkt. Denn so gehe ich dann auch gerne davon aus, dass es andere genauso sehen (müssen).

Und hier beginnen die Missverständnisse. Und hier liegen unsere Blinden Flecke, die uns etwas Offensichtliches einfach nicht sehen lassen.

Sagst Du ihm das direkt?

Ich erzähle also so vor mich hin, wie ein Bekannter von mir einfach nicht in die Puschen kommt und ich das nicht verstehe. „Ich sage ihm jetzt aber nichts mehr!“

Milla horcht sofort auf: “Sagst Du ihm das direkt?“

„Nein, ich sag nur nichts mehr.“ Pause „Zu Deinen Kursen, habe ich mir vorgenommen, sage ich auch nichts mehr.“

Lange Pause. Wir gehen unseren eigenen Gedanken nach. Es ist immerhin schon nach Mitternacht.

Plötzlich schaut mich Milla an und sagt: „Weißt Du, ich arbeite 80 Stunden in der Woche, versuche dann noch für den Marathon zu trainieren und habe diese Ausbildung. Ich finde, dass ich in den letzten vier Wochen soo viel getan habe.

Und jetzt kommst Du, und sagst mir, dass mich endlich auch noch um meine Selbstständigkeit kümmern soll!“

Wums! Das saß.

Wir schauten uns an und brachen in schallendes Gelächter aus. Ich habe heute noch Muskelkater.

Was ist morgen nach morgen?

Was ich von meiner Warte aus gesehen habe, ist eben nur die halbe Wahrheit.

Und warum ich das gesagt habe, ist mir auch erst viel später wieder eingefallen. Mir war schon klar, dass ich sie mit meinen Bemerkungen unter Druck setzte. Das wollte ich ja gar nicht.

Ich habe eben MEINE „innere Landkarte“ vor Augen, die MEINE Aktivitäten bestimmt und MEIN Lebensfahrplan ist.

Ich habe immer schon in meinem Leben weit vorausgeschaut. Ich habe mich immer gefragt: „Was ist morgen nach morgen?“

Und so habe ich meine Aktivitäten mein Leben lang ausgerichtet. Auch manchmal mit einer großen Portion Mehrarbeit.

Fazit: Jeder Mensch hat seine eigene Landkarte

Trotzdem ist bei aller Sichtweise enorm wichtig, anzuerkennen, dass jeder Mensch seine eigene Landkarte hat und danach lebt und glücklich wird.

Und mit meiner Landkarte ja gar nicht glücklich werden kann.

Deshalb ist es so wichtig, immer mal wieder den Spiegel vorgehalten zu bekommen, um abzuklären, wo der eigene Standpunkt wirklich ist und wie er von außen wahrgenommen wird.

 

About Annette Kunow

Annette Kunow zu Prokrastination überwinden

Mein Name ist Annette Kunow und ich bin Hochschullehrerin, Künstlerin und Business Coach.

Seit 30 Jahren mache ich nun diesen „Trigat“ zwischen Hochschule, Unternehmen und Kunst. Ich schaffe es immer wieder, die Synergien zwischen diesen drei Standbeinen herzustellen.

Nur so funktioniert es: Durch die Tätigkeit im Unternehmen bereichere ich den Unterricht an der Hochschule mit Praxis.

In der Kunst kann ich dann meine andere Seite leben. Meine Bilder stelle ich mittlerweile weltweit aus. Ich möchte keine dieser Seiten missen.

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