3 notwendige Säulen der Mitarbeiterführung

3 notwendige Säulen der Mitarbeiterführung

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Nein, nicht 1 x 1 der Mitarbeiterführung!

Heute wurde ich gefragt, was die Richtlinien der Führung 4.0 ist.

Nun ja, was sind Richtlinien für Mitarbeiterführung? Was ist eigentlich 4.0?

Mein Kosmetiktopf hat noch die Aufschrift Nachtcreme 2.0. Muss ich sie deshalb wegwerfen?

Ich habe das Gefühl, da wird wieder mit Worten jongliert und medienwirksam ein neuer Slogan postuliert.

Es geht doch immer um die Frage, was Mitarbeiterführung heute ist, die allen Herausforderung gerecht wird.

Das sind natürlich auch die Digitalisierung und deren Steuerung. Aber zum größten Teil die Führung von Menschen, die heutzutage nicht nur ihre Karriere sehen, sondern auch ihr Privatleben.

Ja die Mitarbeiterführung hat sich seit der 60ziger Jahren stark verändert. Klar, denn es ist auch gesellschaftlich eine Menge passiert.

Die heutige Führung versucht, dem Mitarbeiter gerecht zu werden, seine Meinung zu integrieren – auch um ihn an das Unternehmen zu binden. Natürlich in erste Linie, um ihn noch motivierter für die Arbeit zu machen.

Es gibt da ganz neue Schlagworte, wie

  • Homeoffice,
  • Worklife Balance,
  • Selbstbestimmtes Arbeiten,
  • Digitale Nomaden

Aber auch

  • Facharbeitermangel,
  • Integration,
  • Grundeinkommen,

Also, die Mitarbeiterführung hat sich von der straff autoritär geordneten Situation in eine sehr vielfältige und sehr unterschiedliche Vielfältigkeit verändert.

Gibt es dafür Richtlinien?

Das ist eine gute Frage.

Denn am besten wäre eine Anleitung, die nur befolgt werden muss und alles läuft gut.

Veränderung

Das ist leider nicht so, denn wir müssen uns auch damit zeitgleich verändern.

Ich will hier mal über meine Erfahrung erzählen, die ich fast über 20 Jahre an der Hochschule machte.

Wie alle wissen, werden an Schulen und Hochschulen zur Bewertung der Leistung Klausuren geschrieben.

Das ist seit Jahrhunderten so. Und funktioniert scheinbar auch gut.

Wenn man sich dann mit dem Hirnforscher Gerald Hüther auseinandersetzt, wird klar, was das für ein Wahnsinn ist.

Angstsysteme

Es wird unter Druck in sehr kurzer Zeit Wissen abgefragt. Ein Angstsystem!

Als mir das das erste Mal bewusst wurde, bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich war wirklich sehr betroffen. 😮

Ich machte es ja auch viele Jahre so, mit den besten Erwartungen und Zielen. Und im Grunde genommen, bringe ich diese jungen Leute in die Schockstarre.

Prüfungen, Tests und Co.

Das hat mich so betroffen gemacht, dass ich etwas ändern wollte. Als Professorin kann ich die Prüfungsart einer Prüfung selbst festlegen.

In den Massenvorlesungen Technische Mechanik fiel mir nur für die Praktika etwas ein, aber für Projektmanagement hatte ich eine Idee.

Hier wäre es ja eine Klausur des stumpfen Auswendig-Lernens meiner Worte aus der Vorlesung gewesen. Möglichst wortwörtlich.

Ich hatte dazu schon Erfahrungen in anderen Fächern.

Notwehr

Es ist absurd: Bei einigen Prüfungen wird von Studierenden nach kurzer Zeit ein Fragenkatalog erstellt und die Fragen von ihnen auch nach bestem Wissen beantwortet. Der verbreitet sich in Windeseile und der Prüfer oder die Prüferin fragt sich oft, woher diese immer wiederkehrenden, seltsamen, teils absurden Antworten kommen.

Na ja, aus der Selbsthilfe in der Not der Menschen: aus Notwehr!

Also entschloss ich mich circa 1995 in Projektmanagement eine Gruppenaufgabe zu vergeben. Die Studierenden machen ihr eigenes Projekt in Eigenarbeit.

Über den Tellerrand

Ja, hier kann sogar ein Lieblingsthema oder Hobby gewählt werden. Was immer zu großem Erstaunen der Studierenden führte!

Warum?

Weil in einem Ingenieurstudium immer nur Ingenieuraufgaben gemacht werden.

Aber warum soll man denn nicht über den Tellerrand schauen?!

Die Studierenden bearbeiten ein Projekt in Eigenarbeit und tragen dieses Projektergebnis am Ende des Semesters vor.

Ich als Professorin unterstütze sie auf diesem Weg zum (Projekt-) Ziel.

Gruppenarbeit = Schwarmintelligenz

Dass Gruppenarbeit etwas taugt, musste ich auch es lernen.

Ich bin Einzelkämpferin.

Dass mehrere Personen ein Projekt größer und besser machen können als ein Einzelner. Ja, das ist so!

Das heißt Schwarmintelligenz oder Kollektive Intelligenz.

Freiheit muss gelernt werden

Aber ich habe noch eine zweite Erfahrung während all dieser Semester gemacht.

Es lief eigentlich immer gleich ab:

Da ich ihnen auch noch die Freiheit gab, die Vorlesung zu hören und/oder das Buch zu lesen (und nicht die Vorlesung zu hören -so habe ich studiert-), kamen nur noch sehr wenige in die Vorlesung und fragten anfangs auch nicht viel.

Wie gesagt, viele erscheinen gar nicht mehr.

Zweifel

In der Mitte des Semesters werde ich regelmäßig unruhig

  • Was machen sie?
  • Sind sie am Ball?
  • Kommt das böse Erwachen am Ende des Semesters?

Aber meine Befürchtung war all die Jahre völlig unbegründet. Alle Projekte, bis auf ein einziges, waren toll.

Die Projekte sind unglaublich kreativ und inhaltlich sehr präzise durchgearbeitet.

Die Vorträge haben tolle Folien mit selbst gestalteten Layouts oder Handouts dazu als Flyer oder Frühstücksbrötchen, Spezial-Fahrräder oder gar ein U2-Video zu einer Planung eines Events.

Ich bin jedes Mal wieder völlig überwältigt, wie das da alles kommt.

Freiraum und Kontrolle

Ja, wie kann Freiraum gegeben werden und die Kontrolle geht nicht verloren?

Meine Kontrolle in diesem Fach ist natürlich dieser Abschlussvortrag, der bewertet wird. Wenn der nicht da wäre, ….

Freiraum im Unternehmen

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einem Unternehmer, der etwas Ähnliches mit seinen Mitarbeitern in der Mitarbeiterführung ausprobierte.

Es hat ihnen Freiraum gegeben, wie wir es oft von amerikanischen Unternehmen hören.

Und er war positiv überrascht, wie gut das ohne ihn funktionierte. Ja, ohne ihn!

Aber er möchte das jetzt in Zukunft doch in einen definierten Rahmen bringen.

Ja, das ist notwendig.

Kreativität im Unternehmen

Denn tatsächlich muss auch die größte Kreativität in einem Unternehmen irgendwann in Produkten enden.

Eine ähnliche Erfahrung machte ich bei einem anderen Unternehmen.

Sie wollten einen Change im Unternehmen erreichen und hofften, dass alle mitziehen.

Mitarbeiterbefragung

Dazu sollten die Mitarbeiter  befragt werden.

Soweit, so gut.

„Aber nicht alle Mitarbeiter!“

„Wieso das denn nicht?“ Die Frage rutschte mir raus.

Tatsächlich ist die Erstellung eines Fragenkatalogs zur Mitarbeiterbefragung eine sehr schwierige Aufgabe.

Fragen und deren Antworten

Denn es gilt der Grundsatz: Stelle nie eine Frage, mit deren Antwort Du nichts anfangen kannst.

Aus der Befürchtung, dass die Mitarbeiter nicht „richtig“ antworten, wird auf ihre Meinung verzichtet und nur der kleine Kreis der Führungskräfte zum Beispiel gibt dann Statements ab.

Aber was heißt denn überhaupt richtig?

Widerstände überbrücken

Dabei ist es so hilfreich und wertvoll, wenn sich genau die, die nachher damit zu tun haben, dazu äußern. Und Sie sich anschließend mit deren Ideen auseinandersetzen und schließlich mit ihnen zusammen Widerstände überbrücken oder – noch besser- ausräumen.

 

3 Säulen der Führung: Selbstführung-Führung von anderen-Sich führen lassen

 

Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht. Genau diese Mitarbeiten fühlen sich ernst genommen und arbeiten motoviert mit.

Hier sind die ersten 3 Pfeiler der Mitarbeiterführung

  • Führung leben
  • Mitarbeiterführung gestalten
  • Führung abgeben.

 

Führung leben = Selbstführung

Selbstführung ist der erste Schritt der Menschenführung.

Wer sich nicht selbst führen kann, kann gar nichts führen“

Als Führungsperson muss ich als Beispiel vorangehen.

Und Sie werden schnell zur Führungsperson. Das geschieht nämlich immer, wenn Sie „vorne“ sitzen oder das Zepter in die Hand nehmen. Auch im Kleingärtnerverein oder beim Elternabend.

Die Kraft der Selbstführung ermöglicht uns – unabhängig von Mainstream – eine positive Entwickelung. Das gilt im Privatleben genauso wie im Berufsalltag, und besonders für Führungskräfte.

Erfolgreiche Selbstführung

Durch erfolgreiche Selbstführung erkennen Sie Ihre persönlichen und individuellen Werte und Einstellungen. Dadurch wird auch das Selbstbewusstsein gestärkt.

Bewusste Wahrnehmung

Durch eine bewusste Wahrnehmung lerne Sie mit Ihren Gefühlen besser umzugehen.

Sie können entscheiden, wie Sie auf schwierige Gefühle reagieren.

Werden Sie wiederholt an der roten Ampel stehen, obwohl Sie eilig zu einem Termin müssen, haben Sie verschiedene Handlungsmöglichkeiten: Laut los zu schimpfen oder entspannt Musik zu hören.

Wenn Ihnen Ihre Reaktion gar nicht bewusst ist und Sie bei jeder Gelegenheit lospoltern, steuern Sie Ihre Gefühle gar nicht.

Emotionale Selbstführung

Auch Emotionen können von Ihnen gesteuert werden.

Da gibt es zwei Möglichkeiten: Sie lassen all die negativen Gefühle zu und geraten immer wieder in eine Abwärtsspirale oder Sie stoppen Ihre Gedanken bewusst, wenn wieder eine derartige Emotion aufkommt.

Loslassen, Vergeben und Versöhnen sind hier die Codewörter. Diese Fähigkeit macht Sie Produktiver, leistungsfähiger und kompetenter.

Humor hilft

Auch Ihr Verhalten muss der jeweiligen Situation angepasst werden.

Verstehen Sie Ihr Verhalten und lernen Sie, es entsprechend anzupassen.

Mit Humor ist es Ihnen möglich, auch mal aus sich herauszutreten und eine ungute Situation mit einer lustigen Bemerkung abzutun.

Zum Beispiel, „Haben Sie das Wasser heiß gerubbelt!“, wenn Sie ewig auf den Kaffee warten müssen.

Erst dann sind Sie in der Lage, spontan zu reagieren oder auch mal Nein zu sagen und klare Grenzen zu ziehen.

Grenzen der Leistungsfähigkeit

Die richtige Ernährung, genügen Bewegung, und ausreichend Schlaf sind wichtige Faktoren gegen Überforderung und Burnout.

Positive Gewohnheiten und Rituale helfen, Ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Führung gestalten = Führen von Anderen

Trotz aller Freiheiten muss Mitarbeiterführung auf ein gemeinsames Ziel hin gestaltet werden.

Wildwuchs führt selbst bei Künstlern zum Abgrund.

Ich sage hier nicht Chaos, weil für mich Chaos etwas Positives ist. Die Welt ist chaotisch, das heißt, nach der Chaostheorie nicht linear und planbar.

Sie müssen Ihr kreatives Chaos im Griff haben. Dann ist es produktiv.

Die Frage der Fragen

„Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?“

Die Zielbefragung gibt es wohl in jedem Bewerbungsgespräch. Leider wird sie oft dann nie wieder gestellt.

Denn Karriereziele sind ein enormer Motivator für Menschen. Besonders dann, wenn sie mit Ihren Werten und Visionen übereinstimmen.

Hierbei fühlt sich der Mitarbeiter/ die Mitarbeiterin in seinen/ihren Wünschen ernst genommen und geht motivierter und produktiver an die Arbeit.

Dadurch wird die Führung einfach.

Ein zweiter Vorteil: Die Antworten der Mitarbeiter sind ein wichtiges Handwerkszeug für die Führungskraft, mit denen das Team besser eingeschätzt und effektiver geleitet werden können.

Die Ziele des Mitarbeiters und die Unternehmensziele müssen jetzt noch zusammengebracht werden.

Am besten, indem Gemeinsamkeiten gesucht und gefunden werden. Damit steigt die Motivation der Mitarbeiter und das Unternehmensziel wird erreicht.

5 Fragen, um die Ziele von Mitarbeitern zur Mitarbeiterführung herauszufinden

Ein Gespräch unter vier Augen eignet sich am besten, um den Zielen und Wünschen von Mitarbeitern auf den Grund zu gehen. Und gleichzeitig eine Strategie zu entwickeln, diese auch zu erfüllen.

      1. „Welches Karriereziel möchten Sie dieses Jahr noch erreichen?“
      2. „Wo sehen Sie sich in einem Jahr? Und wo in fünf Jahren?“
      3. „Welche neuen Projekte oder Aufgaben würden Sie gerne im nächsten Jahr übernehmen?“
      4. „Was tun Sie gerade für Ihre eigene berufliche Entwicklung?“
      5. „Wie kann ich Ihnen bei Ihren Karrierezielen weiterhelfen?“

Onlineartikel zum Thema Karrieremanagement (www.impulse.de): So machen Sie Ihre Mitarbeiter glücklich – und gleichzeitig sich selbst

Natürlich muss immer beachtet werden, ob die Ziele und Wünsche der Mitarbeiter überhaupt möglich und realistisch sind?

Eine Überforderung hilft letzten Endes niemandem- weder dem Mitarbeiter noch dem Unternehmen.

Führung abgeben = Sich führen lassen

Zum einen ist es das Delegieren. Und gerade uns Perfektionisten fällt es ja so unsagbar schwer.

Und zum anderen ist es ein schwieriger Punkt, sich von anderen führen zu lassen. sein.

Wie muss jemand aussehen, der Sie führen kann?

Welche Qualitäten, bzw. Qualifikationen muss er/sie haben?

Fazit

Bei der Mitarbeiterführung sind immer 3 Aspekte zu beachten: Führung leben entspricht der Selbstführung, Führung gestalten entspricht dem Führen von anderen und schließlich Führung abgeben entspricht dem Sich führen lassen.

Viel Spaß bei der Führung Ihrer Mitarbeiter.

 

Fotos: Pixabay.com; Annette Kunow

 

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Über Annette Kunow

Mein Name ist Annette Kunow und ich bin Hochschullehrerin, Künstlerin und Business Coach.

Seit 30 Jahren mache ich nun diesen „Trigat“ zwischen Hochschule, Unternehmen und Kunst. Ich schaffe es immer wieder, die Synergien zwischen diesen drei Standbeinen herzustellen.

Nur so funktioniert es: Durch die Tätigkeit in meinem Unternehmen KISP bereichere ich den Unterricht an der Hochschule in der Technischen Mechanik und im Projektmanagement mit Beispielen aus der Praxis.

In der Kunst kann ich dann meine andere Seite leben. Meine Bilder stelle ich mittlerweile weltweit aus.

Ich kann das alles gut integrieren und möchte keine dieser Seiten missen.

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