Routinen und Rituale

Routinen und Rituale

Unser Leben ist voller Rituale.

Es gibt nicht nur religiöse Rituale wie Taufe, Kommunion oder Konfirmation oder rituelle Waschungen, sondern auch eine Menge Alltagsrituale oder –routinen, wie „Hals- und Beinbruch“ zu wünschen oder zum Abschied zu winken.

Jeder Mensch kann sich durch eigene Rituale in eine bestimmte Stimmung bringen. Zum Beispiel bereite ich mir alles vor, wenn ich schreiben will: Ich koche mir eine Kanne Tee, zünde eine Kerze an, lege meine Lieblingsmusik von Van Morrison auf und beginne mit einem besonderen Stift Tagebuch zu schreiben. Damit schaffe ich es, in den Flow zu kommen.

„Ich drücke dir die Daumen!“

Wir drücken uns und anderen die Daumen, um das Glück zu beschwören, ob wohl der Daumen gar nichts mit unseren Erfolg zu tun haben kann. Auch, wenn er gedrückt wird!

Jeder Mensch, auch der, der nicht abergläubig ist, hat seine Rituale.

Rituale machen uns stark

Rituale haben nicht nur primitive Stämme. Es gibt auch in unserer Gesellschaft das Osterfest mit Osterhasen und Ostereiern, Dankfeste für eine gelungene Ernte, Grundsteinlegungen oder Richtfeste. Sie bestärken uns und festigen die Verbindung zum Universum, auch wenn man nicht religiös ist.

Wir durchlaufen bewusst oder unbewusst eine Reihe von Aktivitäten, die uns sicher zum Ziel tragen. Zum Beispiel das Morgenritual läuft programmmäßig, ja fast automatisch ab und darf nicht gestört werden, sonst ist die Gefahr groß, dass nachher irgendetwas fehlt oder falsch läuft.

Rituale kennzeichnen unsere Zugehörigkeit

Im Systemischen kennzeichnen Rituale unsre Zugehörigkeit zu Familie, zur Gemeinschaft und zum Unternehmen.

Dies zeigt sich gut am Beispiel Bindung.

Wenn man von einem geliebten Menschen getrennt ist, durch was auch immer, diesen Menschen aber noch liebt, muss diese Bindung durch ein Abschiedsritual mit der Person gelöst werden.

Mitarbeiter fühlen sich an ihr Unternehmen gebunden und überlegen lange, vielleicht manchmal zu lange, es zu verlassen, wenn sie darin unglücklich sind.

Ehen werden rituell geschlossen und wieder geschieden, um ein rituelles Ende der Beziehung zu zeigen. Dabei ist besonders wichtig, dass die Lösung gewürdigt wird. Wie bei der Eheschließung werden beide Parteien, diesmal vor Gericht gefragt, ob sie tatsächlich die Ehe für gescheitert halten. Erst, wenn beide dies mit „Ja“ klar und deutlich beantwortet haben, ist die Ehe geschieden.

Bindung kann es auch an einen Toten geben. Das Beerdigungsritual hilft uns, Abschied zu nehmen. Die darauffolgende Feier ist ein Weg wieder in das Leben zu starten und die Trauer hinter sich zu lassen.

Auch Hass ist eine Bindung. Es ist erwiesen, dass wir uns sehr intensiv mit einem Menschen auseinandersetzen, den wir hassen. Unser Unterbewusstsein beschäftigt sich mehr mit fehlenden, nicht anwesenden Menschen, als mit anwesenden.

Rituale helfen uns im Alltag

So wie wir abends unseren Kindern eine Geschichte vorlesen, können wir auch Rituale entwickeln, um uns auf unseren Arbeitsalltag einzustimmen. Zum Beispiel, indem wir morgens auf unsere Pinnwand mit unseren Zielen schauen, um uns klar zu machen, wofür wir heute arbeiten, oder abends den Schreibtisch aufräumen, um zu zeigen, dass der heutige Arbeitstag beendet ist.

Auch die erste Tasse Kaffee im Büro kann so ein Ritual sein. Oder meine schreckliche Angewohnheit, das Radio anzumachen, wenn ich nach Hause komme. Ich begründe das mit der vorgeschoben Ausrede, mich informieren zu müssen.

Der weiße Kittel des Arztes im Krankenhaus oder die schwarze Robe der Richterin im Gericht signalisiert uns deren Autorität.

Jeder hat, selbstbestimmt oder schon vom Berufsumfeld vorgegeben, seine eigenen Rituale geschaffen. Sie bringen uns auch in eine bestimmte Rolle, die wir in unserer Arbeit einnehmen.

Dies können wir auch gezielt nutzen, um uns in Aktion zu bringen. Wir ordnen unser Leben durch eine Reihe von Wiederholungen, von kleinen Mini-Ritualen.

Jeder Arbeitstag hat eine gewisse Reihenfolge: das Aufstehen, die Toilette, das Frühstücken und die Fahrt zur Arbeit. Wir bewegen uns nahezu mechanisch. Auch die Arbeit selbst kann mit ihren Aufgaben, Kontakten und den Momenten des Versinkens in die Routinearbeit wie ein Ritual gesehen werden.

Das alles hat seinen eigenen Rhythmus. Und so wird die Zeit von uns auch unterschiedlich empfunden, je nachdem, was wir tun. Die interessante Aufgabe verschlingt unversehens ein paar Stunden, die langweilige Besprechung zieht sich unendlich hin.

Wir kommen auch aus dem Rhythmus.

Es gibt Menschen, auch manche Künstler, die brauchen einen genauen, ritualisierten Tagesablauf, andere können besser im Chaos arbeiten und erreichen so ihren Flow.

Fazit

Rituale helfen uns im Alltag. Jeder Mensch hat seine eigenen Rituale, um sich in eine bestimmte Stimmung zu bringen.

Auch im Arbeitsalltag nutzen wir unbewusst Rituale oder wir setzen sie bewusst ein, um im Arbeitsalltag besser unserer Rolle gerecht werden zu können.

Welche Rituale nutzen Sie für Ihren Arbeitsalltag? Haben Sie Lieblingsrituale?

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