Was hat die DSGVO mit Selbstführung zu tun? -Das 7 Schritte-Programm

Was hat die DSGVO mit Selbstführung zu tun? – Das 7 Schritte-Programm

Das leidige Thema DSGVO und das Thema Selbstführung

Das Thema DSGVO, also die neue Datenschutzgrundverordnung, ist im Moment in aller Munde. Sie tritt am 25.5.2018 mit einigen gravierenden Änderungen in Kraft.

Ich möchte hier nicht über die Inhalte sprechen, sondern über unser Verhalten einem so komplexen Thema gegenüber. und unserer Selbstführung.

Nun, ich denke, die DSGVO hat uns in den letzten Monaten sehr schön vorgeführt, wie wichtig Selbstführung beim Umgang mit einem solch komplexen neuen Thema ist.

Erst einmal möchte ich allgemein die einzelnen Stufen des Prozesses beschreiben. Was passiert, wenn Sie (uns ich) es mit einem neuen, komplexen Thema zu tun bekommen?

Zuerst muss ein Mindset dafür entstehen.

1 Mindset als Selbstführung

Definition (aus Blog)

Dann stehen Sie (und ich) vor der ersten Entscheidung: Verleugnen oder Annehmen.

Verleugnen

Im DSGVO-Prozess habe ich viele Verleugner gesehen und verstehe nun auch viel besser, wie erfahrene Unternehmer Gesetze einfach „übersehen“. Oder Gesetzesänderungen in Projekten dann doch nicht eingearbeitet werden. Das böse Erwachen kommt dann am Schluss.

Es ist ein bisschen wie die Vogel-Strauß-Politik: wenn Sie den Kopf in den Sand stecke sehen Sie es nicht. Ha, ha, ha!

Ja, mein erster Impuls war auch Verleugnen. 🙂

Hätte ich übrigens auch weiter getan, wenn da nicht die Panik mit den sehr hohen Bußgeldern gleich geschürt worden wäre. Das hat mich aus meiner Komfortzone katapultiert.

Annehmen

Schließlich war das Annehmen der Verpflichtung einfach nur notwendig. Sie halten sich ja sonst auch an Gesetze, oder?

2 Risiko

Nach dem Annehmen erfolgt ein erstes Herantasten an das Thema.

Was will das Gesetz überhaupt?

Bei mir kam da die erste Beruhigung und eine erste Motivation, mich mit dem Thema DSGVO auseinanderzusetzen.

Okay, ich mag es auch nicht, von den Datenkraken verschlungen zu werden. Also möchte ich das auch nicht meinen Kunden antun.

Und eine kleine Hoffnung hatte ich anfangs noch: Ich hatte schon vorher versucht, alles gesetzeskonform zu halten.

Was muss ich tun?

Zuerst informiere ich mich so gut es geht.

  • Um was geht es eigentlich?
  • Wo ist für mich das Risiko?
  • Könnte ich mich vielleicht doch noch davor  drücken?

Definition:

Es gibt grundsätzlich 3 Risikogruppen, die im jedem Projekt betrachtet werden müssen. Klick um zu Tweeten

Es gibt grundsätzlich 3 Risikogruppen, die betrachtet werden müssen

  • das Risiko, das unvermeidlich für alle ist (Unwetter, Krieg),
  • das Risiko, das wir uns nicht leisten können,
  • das Risiko, das wir uns leisten können.

Aber Risiken, um ein Projekt zu beurteilen, können noch weiter unterteilt werden

  • Kapazitätsbelastung
    • Angebotserstellung
    • Abwicklung (zum Beispiel Planung)
    • Abwicklung (zum Beispiel Fertigung)
  • Risiken
    • Zeit
    • Technik
    • Finanzen
    • Sonstiges
  • Wettbewerbschancen
    • Anbietende Firmen/Konkurrenz
    • Stärken/Referenzen
    • Auftragschancen
  • Kundenspezifika
    • Finanzierungswünsche
    • Bonität des Kunden

Also mit der Risikoabschätzung  kam die Entscheidung, dieses Thema DSGVO in ein Projekt zu fassen, das abgearbeitet werden musste.

Wie stelle ich sicher, dass es zum Abschluss kommt?

Meine bewährte Methode mit unliebsamen, komplexen Themen ist eine Stunde pro Tag!

Also schmiedete ich das Projekt DSGVO.

3 Prokrastination ohne Selbstführung

Die DSGVO ist eine herrliche Spielwiese, um die eigene Prokrastination zu beobachten! J

Ich will Ihnen hier mal schildern, wie sich meine Gemütslage bei der Bearbeitung entwickelte. :-0

·       Tag x+1:
Ich gehe mutig und willens an die Listen und Empfehlungen ran und arbeite daran. Fazit nach 1 Stunde: Meine To-Do-Liste ist um mindestens 15 Punkte angewachsen. Oh!
Ich bin etwas frustriert, aber das ist ja immer so am Anfang.

·       Tag x+gefühlte 100:
Erholt gehe ich wieder mutig an das Thema. Ich vergegenwärtige mir meine eigenen Tipps gegen Prokrastination: mit 15 Minuten anfangen, kleine Schritte gehen, Pausen machen, Belohnungen versprechen (und geben!).
Fazit nach 1 Stunde: Meine To-Do-Liste ist noch länger als vorher. Puh!

Ich bin sehr frustriert. Ich will aufgeben.

Ja, die Frustration hat mich nun fest im Griff.

4 Frustration

Es tauchen Fragen in meinem Kopf auf, wie

  • Wozu mache ich das überhaupt?
  • Brauche ich denn wirklich eine Website, einen Blog, …?
  • Ich könnte mich doch auch einfach in den Ruhestand begeben. Ist doch viel einfacher.

Wie gehe ich damit um?

Ja, tatsächlich! Ich dramatisiere das dann: Ich heule in die Kissen oder schimpfe laut vor mich hin.

Aber ich gehe dann auch mit dem Hund schnellen Schrittes durch den Wald und konzentriere mich auf die Natur.

Oder ich mache etwas, was mir so richtig Spaß macht. Bei mir kann das Malen, Schreiben oder Gärtnern sein.

Solange, bis ich mich beruhigt habe und in mir der Satz hochkommt: „Das kann doch gar nicht sein, dass Du das nicht schaffst. Jetzt erst recht!“. 🙂

Dann schüttle ich mich und mache mein FORDECU.

5 FORDECU- Was ist denn das?

FORDEC

Definition: FORDEC

Das ist ein Akronym und bezeichnet eine Methode zur strukturierten Entscheidungsfindung, die vor allem in der Luftfahrt angewandt wird. Entwickelt wurde sie von Mitarbeitern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt mit der Einführung von Crew Resource Management Trainings für Piloten.“ /Wikepedia/

Prozess überprüfen

F wie Fakten (Facts)

O wie Optionen (Options)

R wie Risiken und Nutzen (Risks and Benefits)

D wie Entscheidung (Decision)

E wie Ausführung (Execution)

C wie Check

U wie Umsetzung

Mit FORDEC Prozesse überprüfen. Klick um zu Tweeten

F wie Fakten (Facts)

Zuerst werden alle Fakten gesammelt.

  • Was ist noch alles offen?
  • Was ist noch zu tun?
  • Was wäre schön zu tun?
  • Was muss unbedingt getan werden?

O wie Optionen (Options)

Anschließend werden die Optionen geprüft.

  • Was sind die harten Fakten (Need-to-Have)?
  • Was sind die weichen Fakten (Nice-to-Have)?
  • Wo und wie wäre Hilfe von außen möglich?

R wie Risiken und Nutzen (Risks and Benefits)

Nun werden die Risiken abgeschätzt

  • Was würde passieren, wenn …?
  • Was kostet es mich?
  • Wie war es vorher?

D wie Entscheidung (Decision)

Nun kommt es zu einer Entscheidung, was als nächstes zu tun ist.

Beim Fliegen muss eine schnelle Entscheidung her, sonst stürzt das Flugzeug ab!

Besser eine schnelle Entscheidung, die danach korrigiert wird, als gar keine Entscheidung. Klick um zu Tweeten

Und immer gilt: Besser eine schnelle Entscheidung, die danach korrigiert wird, als gar keine Entscheidung.

Und

Die erste Antwort ist richtig,

die zweite ist Angst und

die dritte ist Panik! 🙂

E wie Ausführung (Execution)

Nun geht es an die Durchführung. Am besten in kleinen Schritten hintereinander.

C wie Check

Immer wieder wird überprüft, ob sich das Ganze in die richtige Richtung bewegt.

U wie Umsetzung als selbstführung

In der Luftfahrt gibt es den letzten Punkt U, die Umsetzung, nicht. Den habe ich hinzugefügt!

Meiner Erfahrung nach ist das der schwierigste Punkt. Hier bedarf es manchmal auch einer Unterstützung von außen. Das kann ein Sparring-Partner als Freund oder ein Coach sein.

Ich hatte es glücklicherweise in Monika Birkners Commitment-Club gehabt! Danke an alle! 🙂

Prozess starten

Nach der Durchführung des FORDEC wird der Prozess oder das Projekt gestartet. Denn die Abarbeitung kann einem niemand nehmen, es sei denn, man hat viel Geld.

Wenn dann später wieder viele neue und wichtige Veränderungen oder neue Anforderungen dazu kommen, wird FORDEC einfach erneut durchlaufen. Klick um zu Tweeten

Wenn dann später wieder viele neue und wichtige Veränderungen oder neue Anforderungen dazu kommen, wird FORDEC einfach erneut durchlaufen.

6 Neustart, auch in der Selbstführung

Nun starte ich neu.

Ich überarbeite das Projekt, aktualisiere die Schritte oder verfeinere sie. Kleine Happen kann ich besser verdauen.

Im Thema DSGVO bin ich nun auch einige Schritte weiter, habe einige Punkte abgearbeitet und einige Punkte sind noch offen.

Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit meinem Status …

… bis die 1. Änderungen zu DSGVO aufpoppten …!

Änderungen

Oh, ich möchte Sie hier nicht mit meinem Ärger belästigen!

Es dreht sich in mir, wenn dann jemand im Fernsehen sagt, dass die DSGVO so gestaltet sein soll, dass es juristische Laien verstehen können.

Der Begriff „grundsätzlich“ hat für mich als Laie keine Bedeutung, im Juristischen ist es schwerwiegend. Ich habe wohl nur versäumt, auch noch Jura zu studieren!? 🙂

Und die Gesetzestexte sind für mich das reinste Chinesisch. Brauche ich nun doch für dieses „leicht verständliche und umsetzbare“ Unterfangen des DSGVO einen auf Online-Marketing spezialisierten Rechtsanwalt für rund 200 € die Stunde?

Ich springe ja über alle Hürden, die mir das Gesetz vorgibt. Wenn ich nur wüsste, was die von mir wollen! welche Hürden es sind.

Und viele Dienstleister werden noch im Mai entsprechende Vorlagen zur Verfügung stellen. Die haben wahrscheinlich ähnliche Probleme wie ich. 🙂

Im Mai? Wir haben bereits Ende Mai. In ein paar Tagen tritt das Gesetz in Kraft.

Also ein erneutes FORDECU!

7 Neues Mindset zur Selbstführung

  1. Die DSGVO-Umsetzung ist notwendig, um gesetzeskonform zu sein.
  2. Die wichtigsten Teile der Umsetzung sind auf dem Weg und in einem Ordner zusammengefasst.
  3. Einiges kann noch nicht bearbeitet werden, weil einfach keine Informationen dazu gibt.
  4. Ab dem 25.5. wird es ständig Neuerungen geben, die kontinuierlich eingearbeitet werden müssen.

Also kontinuierlich weitermachen, auch mit dem Mut zur Lücke, bis alles geklärt ist.

Natürlich bleibt ein flaues Gefühl. Danke EU.

Klick um zu Tweeten

Und das Ganze trainiert den „Widerstands-Durchhalte-Muskel“.

Fazit

Das Thema DSGVO führt uns in den letzten Monaten sehr schön vor, wie wichtig Selbstführung beim Umgang mit einem komplexen neuen Thema und der damit verbundenen Frustration ist.

Die DSGVO ist eine herrliche Spielwiese, um die eigene Prokrastination zu beobachten!

FORDECU hilft als strukturierten Entscheidungsfindung den Prozess oder das Projekt systematisch zu überprüfen und dann umzusetzen.

  • Wie gehen Sie damit um?
  • Welche Erfahrungen machen Sie mit großen, komplexen Themen?
  • Wie strukturieren Sie sie?

Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.

 

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About Annette Kunow

Annette Kunow zu Prokrastination überwinden

Mein Name ist Annette Kunow und ich bin Hochschullehrerin, Künstlerin und Business Coach.

Seit über 30 Jahren mache ich nun diesen „Trigat“ zwischen Hochschule, Unternehmen und Kunst. Ich schaffe es immer wieder, die Synergien zwischen diesen drei Standbeinen herzustellen.

Nur so funktioniert es: Durch die Tätigkeit im Unternehmen bereichere ich den Unterricht an der Hochschule mit Praxis.

In der Kunst kann ich dann meine andere Seite leben. Meine Bilder stelle ich mittlerweile weltweit aus. Ich möchte keine dieser Seiten missen.

 

Bildnachweis: Pixabay, Kunow

2 Comments
  • Monika Birkner
    Posted at 10:17h, 26 Mai Antworten

    Liebe Annette,

    was für ein wundervoller Artikel!

    Und ein so schönes und offenes Beispiel für Selbstführung. Ich denke, dass die DSGVO eine große Chance war und ist, sich selbst noch besser kennen zu lernen und sich selbst besser führen zu lernen. Du gehst hier wirklich mit sehr gutem Beispiel voran.

    Ich denke, auf diese Weise heranzugehen, tut der Sache gut und tut einem selbst gut. Und es ist bei weitem nicht selbstverständlich. In den letzten Wochen und Monaten ließ sich in diversen Gruppen und Foren im Internet viel Gegenteiliges beobachten. Emotionale Reaktionen – gerade bei so einem Thema – sind verständlich. Doch in den Emotionen stecken zu bleiben, finde ich gefährlich. Dein Artikel zeigt, wie es anders geht.

    Danke auch für FORDEC. Davon hatte ich noch nichts gehört. Finde ich klasse.

    Die DSGVO geht weiter. Selbstführung ist weiterhin gefragt:-)

    Viele Grüße
    Monika

    • Annette Kunow
      Posted at 10:58h, 26 Mai Antworten

      Liebe Monika,

      ja, ich weiß ja, dass Du genauso denkst.

      Und noch einmal Danke für Deine Ermunterungen im Commitment Club. Das hat mich doch sehr unterstützt. 🙂

      Viele Grüße

      Annette

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